Reise durch den Südwesten der USA
(21.08. - 11.09.2010)
Am 21.August 2010 starteten wir in unseren großen, dreiwöchigen Sommerurlaub, den wir diesmal im Südwesten der USA verbrachten.
Von Los Angeles aus fuhren wir mit einem großen Wohnmobil zunächst nach Las Vegas und durchstreiften zwei Tage die berühmte Stadt der Illusionen und Lichter.
Von dort ging es weiter zum schönen Zion-Nationalpark und zum Bryce-Canyon, einem der Höhepunkte unserer Amerika-Reise.
Besonders beeindruckend waren auch die Wanderungen durch den Arches Nationalpark mit seinen riesigen Steinbögen. Weitere Stationen unserer Rundreise waren das Monument Valley, der Lake Powell und natürlich der Grand Canyon.
Der Abschluss unserer Traumreise war die Fahrt auf dem Highway Nr.1 von San Francisco zurück nach Los Angeles.

Samstag, 21.08.2010
Nach 11 Stunden Flug landete unsere Boeing 747 planmäßig am International Airport von Los Angeles. Nach den obligatorischen Einreiseformalitäten wie Passkontrolle und einscannen der Fingerabdrücke fuhren wir mit dem Shuttle-Bus zur Vermietstation der Dollar-Autovermietung und holten uns dort unser für die nächsten 2 Tage gemietetes Auto ab. Aus drei zur Verfügung stehenden Fahrzeugen wählte Julia das größte, einen weißen Mercury, sehr lang und mit 8 Zylindern. Zunächst fuhren wir zu unserem Hotel, dem Hilton Airport, und bezogen unser Zimmer. Dann fuhren wir auf diversen Stadtautobahnen, vorbei an Ölbohrtürmen in Richtung L.A. Downtown zum Rodeo Drive und durch die Villengegend hinauf zum Mullhollanddrive, wo wir von einem Hügel die Stadt von oben sehen konnten und ein paar Geburtstagsfotos von Tobias machten. In der Ferne sah man auch das berühmte HOLLYWOOD-Zeichen. Abends feierten wir Tobias 14.Geburtstag in einem kleinen Restaurant bei riesigen, dicken Pizzas, Wein und Coca Cola.
Sonntag, 22.08.2010
Nach einem guten Frühstück am Hotelbuffet starteten wir zunächst wieder in Richtung Downtown. Unterwegs bekam Tobias noch bei McDonalds 2 Sausageburger, Sabine kaufte für mich Magnesium Erkältungstabletten gegen Schnupfen. Zunächst parkten wir dann am berühmten Rodeo Drive, der Straße mit den teuren Geschäften. Da Sonntag war, konnten wir leider nichts kaufen sondern nur fotographieren. Das Wetter war den ganzen Tag wolkenlos mit teils über 30 Grad. Da wir nicht genau wussten, wo der "Walk of Fame" zu finden ist fuhren wir einfach einem der Stadtbesichtigungsbusse hinterher, was sich als gute Lösung herausstellte. Tobias bewunderte unterwegs besonders die Autos mit den schönen Chromfelgen, Julia die Schaufenster. Wir parkten nur ca. 400 Meter vom Graumann´s Chinese Theater entfernt und gingen den Hollywood Boulevard entlang. Am sog. „Hollywood Walk of Fame“ sahen wir viele Sterne von berühmten Sängern und Schauspielern haben wir gefunden, u.a. Tom Hanks, Doris Day, Michael Jackson usw. Am Theater selbst sahen wir die Hand und Fußabdrücke von diversen Schauspielern. Das Wachsfigurenkabinett von Madame Tusseaud war uns zu teuer (4 mal 25 $) so dass wir lieber in einer Sportsbar etwas tranken (Radler, Cola) und Chicken Wings aßen, die ziemlich scharf waren. Julia und Sabine stöberten noch etwas in einem T-Shirt-Laden herum (erfolgreich), dann fuhren wir in westlicher Richtung an den Bergen entlang um einen guten Blick auf das HOLLYWOOD-Zeichen zu finden, was uns am Beachwood Drive auch perfekt gelang. Dazu mussten wir allerdings auf einem sandigen Weg auf einen kleinen Hügel laufen. Wir konnten schöne Bilder machen und den Blick auf die riesige Stadt genießen - bei ziemlicher Hitze. Zurück im kühlen Auto, unserem weißen Mercury, beschlossen wir zum Meer nach Santa Monica zu fahren. Nach etwa 20 Minuten Fahrt kamen wir am großen "Beverly Hills"-Schild vorbei, das am Eingang des bekannten Prominenten-Stadtviertels steht. Hier stoppten wir für ein paar Fotos, dann ging es mit vielen Ampelstopps weiter auf dem langen Santa Monika Boulevard bis in die Stadt am Meer. Wir hatten Glück und fanden einen Parkplatz, obwohl sich Massen von Wochenendausflüglern durch die Fußgängerzone schoben. Wir kauften Sportschuhe, sahen Straßenkünstler und gingen hinunter zur Strandpromenade mit großen schattigen Bäumen und einem schönen Blick auf den Sandstrand.

Die letzte Station des Tages war dann noch Venice Beach, wo wir auf dem großen Peer, einem breiten Holzsteg entlanggingen und Tobias und Julia durch den Sand liefen. Hier sahen wir einen schönen Sonnenuntergang, dann gingen wir in einem italienischen Lokal zum essen (www.cocucina.com) - Berge von Spaghetti Bolognese überforderten die Kinder deutlich, so dass wir noch am Tag danach von den Resten satt wurden, die wir uns einpacken ließen. Um 22 Uhr waren wir wieder im Hotel und schliefen gleich ein.
Montag, 23.08.2010
Nach einem gemütlichen Frühstück im Hotel checkten wir aus und fuhren mit unserem Mercury über den Highway in etwa 15 Minuten zur Vermietstation von Cruise America, wo wir unsere fahrbare Unterkunft für die nächsten knapp 3 Wochen in Empfang nahmen. Vor einer kurzen persönlichen Einweisung in die technischen Details mussten wir einen etwa 30-minütigen Film über das RV (Recreation Vehicle = amerikanische Bezeichnung für Wohnmobile) in der Station anschauen. Nachdem wir alle Koffer verstaut und die Campingausstattung in Form von Bettwäsche, Geschirr und Töpfen erhalten hatten, starteten wir auf dem Highway in Richtung Osten. Auf Stadtautobahnen kamen wir durch L.A. gut voran. Am späteren Nachmittag kauften wir in einem Outlet Store mit Supermarkt unsere ersten Lebensmittel. Da es auch sonst sehr schöne Läden mit Markenkleidung (Adidas, Timberland, Hilfiger etc.) und Schuhen zu durchstöbern gab, war es schon fast dunkel, bis wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz für die erste Nacht im Wohnmobil machen konnten. Auf der Interstate 10 erreichten wir bereits bei Dunkelheit den Ort Banning, wo wir am Exit 101 abfuhren und auf dem KOA Stagecoach Campground übernachteten.
Dienstag, 24.08.2010 (von Banning über den Joshua Tree NP nach Lake Havasu City)
Am Dienstag sind wir östlich von L.A. um halb 10 Uhr gestartet, nach dem Frühstück vor dem Wohnmobil. Bei angenehmeren Temperaturen als in LA erreichten wir auf dem Twenty-Nine-Palms-Highway gegen Mittag den Joshua Tree Nationalpark, der uns wieder sehr gut gefallen hat.
Wir stoppten an mehreren Punkten im Park und machten schöne Fotos. Von einem Aussichtspunkt schauten wir hinunter auf Palm Springs, außerdem besichtigten wir den schönen Campingplatz im Nationalpark – zwischen großen Felsen gelegen, mit Feuerstellen an jeder Bucht und noch völlig leer.
Leider war es noch zu früh um schon unser Quartier für die Nacht zu suchen, denn wir hatten noch eine lange öde Strecke bis nach Parker vor uns - über 100 Meilen fast nur geradeaus durch die Mojave Wüste mit Temperaturen über 40 Grad - zum Glück nur außen! Wir fuhren etwa 2 Stunden Richtung Westen, nur sehr wenige Autos sind uns begegnet. In Parker haben wir getankt und bei Walmart eingekauft - bei 120 Grad Fahrenheit !!! – das entspricht umgerechnet 48 Grad Celsius - es war entsetzlich heiß! Am Abend erreichten wir Lake Havasu City, wo wir im Abendlicht die London Bridge sahen. Die Brücke wurde vor einigen Jahren komplett in London abgebaut und hier wiedererrichtet. Wir spazierten etwas herum, machten ein paar Fotos und fuhren dann auf einem Campingplatz. Leider gab es keinen Zugang zum See, so dass wir uns mit einem Bad im Campingplatz-Pool begnügen mussten, der leider kaum kühler war als die Luft. Da wir hier leider keinen Grill am – im übrigen völlig überteuerten – Stellplatz hatten, briet Sabine die gekauften Steaks in der Pfanne. Michael geht es leider sehr schlecht, ein starker Schnupfen plagt ihn schon seit 2 Tagen, nun hat er auch noch Kratzen im Hals und fühlt sich ziemlich elend. Hoffentlich wird´s bald besser, auch wegen der neuen Medikamente (Wick Medinight). Der Kühlschrank geht nur nachts, so dass wir jeden Tag neu einkaufen müssen. Sonst geht es uns gut. Mal sehen wo wir morgen (Mittwoch) landen - wohl in Las Vegas wegen dem defekten Kühlschrank.
Mittwoch, 25.08.2010
Heute war ein reiner Fahrtag. Zunächst ging es von Lake Havasu City nord-ostwärts nach Kingman, von dort dann zum Hooverdam. Wir durften, nach einer kurzen Begutachtung des Innenraums unseres Wohnmobils, die Sicherheitskontrolle passieren, machten ein paar Fotos des gewaltigen Bauwerks und fuhren über den Staudamm des Colorado River. Dies war für uns die erste und letzte Überquerung des Damms, denn in einigen Wochen soll die neue Brücke hoch über dem Damm fertig sein und dann wird dieser für den Verkehr gesperrt. Mit einer Höhe von 270 m über dem Colorado River ist die Hoover Dam Bypas Bridge die zweithöchste der USA und mit einer Länge von 580 m stützt sie der größte Zementbogen der westlichen Hemisphäre.
Nach einigen Serpentinen erreichten wir den Rand der großen Ebene und sahen in der Ferne bald die Hochhäuser von Las Vegas. Unser erstes Ziel in der Spielerstadt war die Station von Cruise America, wo wir unseren Kühlschrank richten lassen wollten. Ein Techniker zweigte uns, wie wir den Fridge durch ein paar Knopfdrücke wieder in Betrieb setzen können, was den Rest der Reise dann auch funktioniert hat. Nach diesem kurzen technischen Stop fuhren wir den Strip entlang und erkundigten uns in der Nähe des Flughafens zunächst nach den Preisen einer Übernachtung am Campground. Da dieser doch recht abgelegen war, entschlossen wir uns für die nächsten zwei Nächte Las Vegas hautnah zu erleben und in eines der großen Hotels umzuziehen. Unsere Wahl fiel auf das Hotel Luxor, dass der Cheops-Pyramide nachgebaut wurde und dessen Eingang von einer riesigen Sphinx bewacht wird. Wir bekamen ein schönes Zimmer in einem der oberen 25 Stockwerke, knapp unter der Spitze der Pyramide mit Blick auf das Nachbarhotel Mandalay Bay.
Da es Michael immer noch nicht gut ging und er von starkem Schnupfen geplagt war, ruht er sich im Zimmer ein paar Stunden aus während der Rest der Familie am Swimmingpool des Hotels ausspannte.

Am Abend fuhren wir mit dem Taxi in den Ortsteil des „alten“ Las Vegas und bewunderten in der Freemont Street die größte Videoshow der Welt, bestehend aus 12,5 Millionen LEDs und 540 Kilowatt Musikleistung aus 208 Lautsprechern. Die Fremont Street (Downtown) wurde Mitte der 90er-Jahre auf 500 Metern zwischen Main Street und Las Vegas Boulevard zu einer Fußgängerzone umgebaut und mit einem 30 Meter hohem Dach versehen, auf dem bunte Bilder und Videoclips dargestellt werden. Untermalt wurde das Schauspiel von dem wunderschönen Lied „Bye Bye Miss American Pie“.
Nun waren wir sehr hungrig und nutzten das reichhaltige Angebot an Restaurants in Las Vegas, indem wir es uns in einem Steakrestaurant gut gehen ließen (75 $). Besonders gut schmeckte der kühle Pitcher Coors Light (1,5 l-Krug). Zurück auf dem Freemont Street Experience ließen sich Tobias und Michael noch mit einem typischen Las-Vegas-Showgirl fotografieren, bevor wir mit dem Taxi wieder zum Hotel Luxor zurück fuhren.
Donnerstag, 26.08.2010
Nach einem Fast-Food-Frühstück bei McDonalds gingen wir zunächst zum Hotel New York, da wir unbedingt die große Achterbahn ausprobieren wollten, die rund um das Hotel und sogar durch die Hotelhalle fährt. Während Tobias sich gleich eine Tageskarte für unbegrenzt viele Fahrten erbettelte, reichte Michael und Julia der einmalige Genuss der rasenden Fahrt mit mehreren Loopings. Sabine verzichtete ganz auf dieses Erlebnis. Nun fuhren wir vom gegenüber liegenden MGM, dem angeblich größten Hotel der Welt, mit der Monorail bei einer Affenhitze zum Stratosphere Tower, einem Aussichtsturm ähnlich dem Olympiaturm in München. Ganz oben auf der Spitze befindet sich u.a. ein Karussell, das aber leider wegen Gewittergefahr geschlossen war. Wir hatten aber einen schönen Rundblick auf die ganze Stadt. Am Nachmittag und Abend gingen wir etwa 6 Kilometer den Strip entlang, vorbei an den einigen der großen Hotels der Spielermetropole, wie z.B. dem Sahara, Circus Circus und Wynn. Gegen 18 Uhr aßen wir im „Macys Fashion Show“-Shoppingcenter gegenüber des Hotels Wynn eine knusprige Pizza. Julia bezirzte ihren Papi so lange, bis er in einem Store von desigual noch ein paar schicke Klamotten für sie kaufte. Danach spazierten wir weiter auf dem Strip. Besonders schön war Las Vegas natürlich nach Anbruch der Dämmerung mit den Millionen von Lichtern. Im See vor dem Hotel Bellagio tanzten Wasserfontänen zur Filmmusik von Titanic, was besonders romantisch war. Diese „Bellagio Fountains“ sind wohl die schönste Attraktion in Las Vegas und man muss die 300 m lange "Wasserorgel" unbedingt gesehen haben! 1.200 extrem starke Wasserdüsen und 5.000 Scheinwerfer tanzen computergesteuert zu klassischen Arien und moderner Musik, wobei die Fontainen bis zu 150 m hoch spritzen können. Die Aufführungen kann man alle 15-30 Minuten bis Mitternacht anschauen. Julia war so gerührt, dass Sie fast weinen musste. Gleich nebenan sahen wir vor dem Casino und Hotel Treasure-Island eine Show mit Piraten, viel Feuer und einem sinkenden Schiff. Besonders beeindruckend war auch das relativ neue Hotel Venetian, das dem Markusplatz in Venedig nachgebaut wurde. Es gibt sogar einen Campanile und die Rialtobrücke, nur etwas kleiner als im Original. Als wir nach über 12 Stunden Fußmarsch wieder im Hotel ankamen, waren wir alle sehr müde. Für ein Bier an der Bar inmitten der klingelnden Spielgeräte und Roulette-Tische war aber noch Zeit bevor wir ins Bett fielen.

Freitag, 27.08.2010 (von Las Vegas zum Zion Nationalpark, 176 mls oder 283 km)
Nach dem Auschecken im Hotel Luxor ließen wir uns vor dem berühmten Las-Vegas-Ortsschild fotografieren, dann fuhren wir zunächst nochmals zu Cruise America, um den Kühlschrank nochmals kontrollieren zu lassen. So war der halbe Tag schon vorbei, als wir endlich in nord-östlicher Richtung auf der Interstate 15 zum Zion Nationalpark aufbrechen konnten. Den eigentlich geplanten Besuch im Valley of Fire verschoben wir auf den nächsten USA-Urlaub in dieser Gegend. Auf dem Highway 9 erreichten wir auf einer landschaftlich sehr schönen Straße über Hurricane nach 166 Meilen (267 km) gegen 17 Uhr den Ort Springdale, direkt am Eingang des Zion Nationalpark im Süden des Staates Nevada. Da sich eine Besichtigung an diesem Tag nicht mehr lohnte, kauften wir im Supermarkt einige Lebensmittel und frische Rindersteaks, die wir auf dem Zion Canyon Campground am Abend grillten. Hier hatten wir vor 12 Jahren bei unserer letzten Tour durch den Südwesten auch schon übernachtet und den Abend am Lagerfeuer verbracht. Nachdem wir noch etwas Kniffel gespielt hatten gingen wir zufrieden ins Bett.
Samstag, 28.08. 2010 (vom Zion Nationalpark zum Bryce Canyon, 85 mls oder 137 km)
Heute besichtigten wir den bekannten Zion-Nationalpark. Der von Touristen besuchte Teil des Nationalparks besteht hauptsächlich aus einer großen Schlucht, in der man auf verschiedenen Trails wandern kann, die mit dem Shuttle-Bus erreichbar sind. Wir sind drei von diesen abgelaufen. Vom Parkplatz aus fuhren wir dem Shuttlebus bis zur Haltestelle Zion Lodge. Von hier aus begannen wir unsere Wanderung zu den Emerald Pool´s. Über eine Fußgängerbrücke, die über den Virgin River führt, gelangten wir auf den Wanderweg bergauf zu den Middle Pools. Dieser zum Teil schattige Weg führte uns zu kleinen Wasserbecken und Wasserfällen. Hier zweigte ein Weg ab zu den Upper Pools. Es ging jetzt ganz schön bergauf und man musste auch über den einen oder anderen großen Sandstein klettern, die teilweise etwas rutschig waren. Der Upper Emerald Pool unterhalb einer hohen Felswand, von der ein kleiner Wasserfall herunterkommt, hat uns am besten gefallen, auch wenn das Wasser des Pools eher bräunlich als smaragdgrün war. Hier legten wir eine längere Pause ein und die Kinder nützten die Zeit um im Wasser zu spielen. Auf dem Rückweg beeindruckte uns besonders eine überhängende Felswand mit Wasserfall, an deren Fuß wir hinter dem Wasservorhang entlanggingen. Besondere Beachtung fand eine handtellergroße Spinne, die am Wegrand in der Sonne döste. Insgesamt waren wir hier ca. 2,5 - 3 Stunden unterwegs. Mit dem Shuttlebus fuhren wir nun noch bis zum Ende des Tales, zum „Temple of Sinawava“. Hier wanderten wir zum Abschluss unserer Zion-Erkundungstour am Fluss entlang zu einer engen Stelle im Tal, begleitet von einigen Eichhörnchen und zahlreichen Touristen. Nach einigen 100 Metern muss man zwischen den hoch aufragenden steilen Felswänden durch das Flussbett waten. Im Gegensatz zu Las Vegas, wo es in den letzten zwei Tagen mit Temperaturen um die 40 Grad sehr heiß war, empfanden wir es heute als sehr angenehm.
Durch diesen ausgiebigen Besuch im Zion NP sind wir erst am späteren Nachmittag wieder weitergefahren. Sehr erfreut haben uns die Bundesligaergebnisse, die Christoph per SMS zugeschickt hatte, leider weniger das Resultat des FC Bayern.
Wir haben ab 16.30 Uhr noch den ganzen etwa 85 Meilen langen Weg Richtung Osten durch sehr schöne Landschaft bis zum Bryce Canyon zurückgelegt. U.a. ging es auf dem Zion-Mount Carmel-Highway durch einen Tunnel, den man mit dem Wohnmobil nur in der Mitte befahren kann, da er an den Seiten zu niedrig ist. Am Osteingang des Parks findet sich die Checkerboard Mesa, ein Tafelberg aus Sandstein. Sehr markante und tiefe vertikale und horizontale Furchen durchziehen die Oberfläche dieses Berges. Wir stoppten an einem kleinen Parkplatz und machten ein paar Fotos.
Über Mt.Carmel Junction, wo wir nach Norden auf die US-Route 89 abbogen, und Glendale erreichten wir erst am Abend gegen 20 Uhr den Eingang des Bryce Canyon und übernachteten auf dem Campingplatz. Es war hier sehr kalt, denn der Bryce-Canyon-Nationalpark befindet sich immerhin in einer Höhe von 2400 bis 2700 Metern und liegt damit wesentlich höher als der Zion-Nationalpark oder der Grand-Canyon-Nationalpark.
Michael ging es inzwischen wieder relativ gut, nur der Schnupfen war dank der Klimaanlage sehr hartnäckig. Der Kühlschrank funktionierte nun Gott sei Dank auch wieder, so dass die Lebensmittel etwas länger halten als bisher. Am Abend haben wir im Wohnmobil Berge von Spaghetti gegessen - auf Wunsch von Tobias.
Während Michael am späten Abend noch lange den Reisebericht in den Laptop hackte und ein paar Email nach München verschickte lag der Rest der Familie schon in den Betten. Draußen pfiff der Wind um unser RV und die Budweiser-Bierdose war leider auch bald leer – während es zu Hause in Deutschland schon wieder hell wurde.
Sonntag, 29.08.2010 (Bryce Canyon, Fahrt zum Capitol-Reef-NP)
Am Sonntag stand einer der Höhepunkte unserer USA-Reise auf dem Programm - die Besichtigung des Bryce Canyon. eine Art überdimensionale Batzelburg. Der Nationalpark liegt auf dem Colorado-Plateau, genauer an der südöstlichen Kante des Paunsaugunt-Plateaus. Der Name Paunsaugunt leitet sich von der Uto-Aztekischen Sprache der Paiute-Indianer ab und bedeutet „Heimat des Bibers“. Besucher erreichen den Park von der Plateauseite und blicken über die Kante in das Pariatal mit dem gleichnamigen Fluss. Auch das Wort Paria kommt aus dem Uto-Aztekischen und bedeutet Elchwasser.
Der Bryce Canyon wurde nicht durch einen Fluss gebildet. Er ist damit kein Canyon im eigentlichen Sinne wie zum Beispiel der Grand Canyon. Wind, Wasser und Eis erodierten die Kante des Plateaus zu großen Amphitheatern mit bizarren Felsnadeln, so genannte Hoodoos. Diese Felsnadeln erreichen eine Höhe bis zu 60 Meter. Die so entstandenen Amphitheater erstrecken sich über eine Länge von über 30 km. Das größte Amphitheater trägt den Namen Bryce Canyon, ist nahezu 5 km breit, 19 km lang und fällt über 240 Meter gegenüber dem Plateau ab – und war heute unser Ziel.
Da es immer noch sehr kühl war leerten wir nach dem Frühstück zunächst die Abwassertanks, räumten im Wohnmobil auf und machten ein Familienfoto mit unserem Urlaubsmobil. Dann fuhren wir durch die Kieferwälder des angrenzenden Hochplateaus direkt in den Nationalpark zum Parkplatz am Sunrise-Point. Hier genossen wir zum ersten Mal den atemberaubend schönen Ausblick auf die Hoodoos. Wir entschlossen uns, auf einem der längeren Trails, dem Navajo Loop Trail, hinunter ins Tal zu gehen und begannen gegen 11 Uhr mit dem Abstieg auf den gut ausgebauten Wanderwegen. Wunderschön war das Farbenspiel zwischen den gelb-roten Felsnadeln, den vereinzelten grünen Nadelbäumen und dem tiefblauen Himmel. Wir blieben oft stehen und betrachteten dieses Naturwunder aus Stein, das nur durch Verwitterung in Millionen von Jahren entstanden ist. In der sog. Wall Street kamen wir auch durch eine enge Passage mit hochaufragenden Felswänden zu beiden Seiten. Im Mai 2006 hatte sich hier ein gewaltiger Felssturz ereignet, der diesen beliebtesten Wanderweg im Bryce Caynon Nationalpark über mehrere Monate blockierte. Wir kamen heute aber sicher durch diese Engstelle und erreichten nach etwa zweieinhalb Stunden Wanderung zufrieden aber nach dem steilen Aufstieg über Serpentinen etwas erschöpft beim Sunset-Point wieder den Rand des Plateaus. Auf mehr als 2000m ist die Luft eben doch merklich dünner und körperliche Aktivitäten sind entsprechend anstrengender. In der Mittagspause aßen wir im RV eine große Wassermelone und fuhren frisch gestärkt auf der Park Road zu einigen der weiteren 12 Aussichtspunkte.

Besonders beeindruckend war der Ausblick am Bryce Point, wo wir um 15.30 Uhr ankamen und ein paar Familienbilder vor dem sog. Amphitheater machten. Es gibt auf der Welt nicht viele Orte, die uns so beeindruckt haben und wir hoffen, irgendwann wieder hierher kommen zu dürfen!
Nun mussten wir von diesem Naturwunder Abschied nehmen und fuhren über 150 km weiter in Richtung Osten und erreichten gegen 19 Uhr den Capitol-Reef-Nationalpark. Hier übernachteten wir auf einer schönen Wiese unter Obstbäumen. Bei Sonnenuntergang fuhren wir an einem beeindruckenden Felsmassiv entlang, das im Abendlicht wunderbar rot leuchtete.
Leider hatten wir den ganzen Tag keinen geöffneten Supermarkt gefunden, so dass wir uns beim Abendessen auf Brot und Wurst beschränken mussten.
Der Parkranger kam etwas später mit einem freundliche "Hello, hello" an den Wohnmobilen vorbei und lud persönlich die wenigen Gäste ein, einen kleinen Vortag über den Uranium-Abbau im Capital Reef anzuhören, wovon wir nur wenig verstanden, da er ziemlich nuschelte. Danach konnte man noch auf einer Wiese bei völliger Dunkelheit die Sterne und die Milchstraße betrachten, u.a. auch durch ein Fernrohr - wunderschön und sehr beeindruckend! Julia war begeistert, da sie eine Sternschnuppe sah. Dann drängte sie uns hartnäckig zur Rückkehr zum Wohnmobil, da wir versprochen hatten, noch "Die Siedler von Cattan" mit ihr zu spielen, was wir dann auch bis gegen Mitternacht taten – übrigens: Michael hat gewonnen.
Montag, 30.08.2010
Am Vormittag sind wir vom Capitol-Reef-Nationalpark zum Arches Nationalpark gefahren, wobei wir auch etwa 50 km auf einer schnurgeraden Straße durch eine Wüste fahren mussten. Mittags um 12 Uhr erreichten wir den Ort Moab, wo wir ausgehungert einen McDonalds stürmten. Anschließend kauften wir im Supermarkt wieder einmal Lebensmittel ein, die nach unserem Empfinden inzwischen deutlich teurer sind als noch vor ein paar Jahren. Besonders Wurst, Schinken und Käse sind Luxus.
Als nächstes suchten wir einen Campingplatz, da man nie weiß, ob am Abend noch genügend Plätze frei sind. Wir fanden einen recht schönen Platz, wieder auf einer Wiese mit Apfelbäumen. Nach 15 Uhr fuhren wir nun in den Arches Nationalpark, in dem man schöne Natursteinbögen besichtigen kann. Die Felsen sind aus rot-braunem Sandstein und sehr schön geformt. Am ersten Trail stoppten wir gleich, und Tobias, Julia und Michael gingen den 1,6 km langen Trail durch die "Park Avenue", während Sabine das erste Mal mit dem großen RV (Recreation Vehicle) um die Felsformation herumfuhr. Nächster Haltepunkt war am "Balanced Rock", einem großen Felsen der auf einer dünnen Felsnadel thront und von dem wir schon vor 15 Jahren dachten, dass er bald herunterstürzen wird – aber er liegt noch immer oben!
Nachdem wir noch zu den sog. Windows gegangen waren, große Löcher in Felswänden, die durch Verwitterung entstanden sind, fuhren wir am Spätnachmittag zum letzten Trail des Tages. Um 15:00 Uhr starten wir die Wanderung zum Delicate Arch, der auf jedem Autokennzeichen von Utah abgebildet. Wir waren zuletzt 1995 hier - damals noch ohne Kinder. An der alten Wolfes-Ranch vorbei kamen wir bald an den Rand des Felsrückens. Unterwegs übte Sabine mit Julia das Malrechnen und die Umrechnung von Maßen und Gewichten - trotz Ferien leider unvermeidbar. Auf einem von kleinen Steintürmchen markierten weg ging es moderat steil nach oben und wir erreichten gemütlich in einer Stunde den großen Steinbogen Delicate Arch, einem der größten natürlichen Steinbögen der Welt, der auf zahlreichen Reiseführern abgebildet ist. Wir ließen uns darunter fotografieren und genossen den großartigen Ausblick. Inzwischen war es schon gegen 19 Uhr, so dass wir den langen Rückweg zum RV in Angriff nehmen mussten. Am Abend gönnten wir uns ein Bison-Steak in einem Restaurant nahe des Campingplatzes - im „Desert Bistro“ am nördlichen Ortseingang von Moab. Als wir schließlich um 22.30 Uhr heimgingen waren wir die letzten Gäste.
Dienstag, 31.08.2010 (Moab - Arches NP - Blanding / 121 mls, davon ca. 40 mls im Arches NP)
Heute früh hat Sabine Wäsche gewaschen und wir haben im Freien gefrühstückt. Dann fuhren wir gegen Mittag nochmal in den Arches NP um weitere Trails zu gehen, u.a. zur Landscape-Bridge und zum Double-O-Arch. Zunächst fuhren wir wieder vorbei an den Three Gossips und dem Balanced Rock, die wir bereits gestern besichtigt hatten und erreichten nach 18 Meilen (ca. 29 km) Fahrt durch den Park den Endpunkt der Straße am Devils Garden Trailhead. Hier parkten wir das Wohnmobil und marschierten zunächst zur berühmten Landscape Bridge. Es ist ein Wunder, dass dieser größte Steinbogen der Welt noch nicht eingestürzt ist. Kurz dahinter kamen wir an den Resten des Wall-Arch vorbei, der am 4.August 2008 eingestürzt war. Nach ein paar hundert Metern ging Michael einen kurzen Abstecher zum kleinen, aber schön gelegenen Navajo-Arch, wo ansonsten auch kein Mensch zu sehen war. Auf einen Felsenhügel mit fantastischer Fernsicht auf die nördlichen Ausläufer des Nationalparks erreichten wir schließlich nach etwa 1 Stunde den Double-O-Arch. Diese Gesteinsformation hat ihren Namen von den zwei übereinander liegenden Öffnungen, die besonders eindrucksvolle Ausblicke auf die Landschaft erlauben. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen und aßen ein paar Kekse als verspätetes Mittagessen. Tobias und Julia kletterten zwischen den Felsen herum, wobei Tobi sich an einem Ast einen großen Kratzer am Rücken holte - aber wie heißt es so schön: Ein Indianer kennt keinen Schmerz! Nach ein paar Fotos traten wir gegen 16 Uhr den Rückweg an und erreichten nach einer weiteren Stunde Fußmarsch unser Wohnmobil am Parkplatz.
Obwohl es schon relativ spät war, wollten wir planmäßig wenigstens noch ein paar Meilen in Richtung Süden des fahren, um dann am nächsten Tag das Monument Valley zu erreichen. Wir fuhren also zunächst wieder aus dem Park hinunter nach Moab und von dort 80 Meilen (130 km) auf der Interstate 191 bis nach Blanding. Da es nun schon dunkel wurde, entschlossen wir uns auf einem kleinen Campground, dem "Trade Post - Blue Mountain RV Park" zu übernachten. Das ältere Ehepaar an der Rezeption begrüßte uns sehr freundlich und gab uns den Schlüssel zu den überaus sauberen Waschräumen des Platzes. Leider konnten sie uns nicht vom Kauf einiger indianischer Schmuckstücke überzeugen, die in Vitrinen angeboten wurden. Wir konzentrierten uns lieber auf das bevorstehende Abendessen, denn wir waren schon sehr hungrig. Dank selbstentzündender Grillkohlen war bald eine schöne Glut im Grill und so konnten wir bei einem wunderschönen Sonnenuntergang und einem guten Steak die Erlebnisse des Tages besprechen. Da es bald etwas kühl wurde, zogen wir uns mit Saft und Budweiser-Beer ausgestattet ins Wohnmobil zurück, wo wir noch eine Runde "Siedler von Catan" spielten. Sabine hatte diesmal als erstes die notwendigen Siegpunkte erreicht und somit den Tag erfolgreich beendet. Zufrieden gingen wir gegen Mitternacht in unsere Schlafsäcke.
Mittwoch, 01.09.2010 (Von Banning über Natural Bridges und Monument Valley nach Page)
Nach dem Frühstück in Banning vor dem Wohnmobil - wieder viel zu spät, weil wir nicht aufstehen wollten - sind wir zunächst spontan zum National Bridges National Monument gefahren, was sich sehr gelohnt hat. Hier ist sind in einem Tal 3 große Natursteinbrücken zu bewundern. Die Owachomo Bridge haben wir auf einem Trail besucht und sind unter der Brücke durch gewandert. Im Schatten eines Baumes haben wir Kekse gegessen und Wasser genossen. Obwohl die Brücke schon relativ dünn ist hatten wir Glück und sie stürzte nicht über uns zusammen. Es war relativ warm, etwa 20 -25 Grad. Außer uns war niemand dort, was sehr schön war.
Am Nachmittag fuhren wir von dort über Mexican Hat knapp 100 Kilometer zum nahe der Grenze zwischen Utah und Arizona gelegenen Monument Valley. Da das Gebiet den Navajo Indianer gehört und deshalb von diesen verwaltet wird mussten wir zunächst 5 Dollar Eintritt pro Kopf bezahlen, dann konnten wir in der späten Nachmittagssonne den beeindruckenden Blick auf die markanten, aus vielen Western-Filmen bekannten Tafelberge genießen. Leider konnten die auf 1.900 Metern Höhe gelegene Hochebene nicht wie noch im Jahr 1995 befahren, da dies für Wohnmobile inzwischen verboten ist. Da wir aber die unverschämten Preise für eine geführte Jeep-Tour, angeboten von den ansässigen Raubritter-Indianern, nicht zu zahlen bereit waren (stolze 75 $ pro Person waren uns dann doch deutlich zu viel!), beschlossen wir uns das Tal eben beim nächsten Besuch genauer anzuschauen. Wir begnügten uns also mit dem beeindruckenden Ausblick von der Terrasse des einzigen im Reservat der Navajo-Indianer befindlichen Hotels „The View“ und machten ein paar Erinnerungsfotos - auch mit Julias Kuschelhasen, der unbedingt aufs Bild wollte. Da uns der direkt neben dem Hotel und dem Visitor-Center liegende einfache Campground nicht gefiel und wir außerdem noch einkaufen mussten, entschlossen wir uns zunächst ins 28 Meilen entfernte Kayenta weiterzufahren. Nach einem ausgiebigen Shopping-Aufenthalt war es inzwischen schon 19 Uhr geworden, so dass wir gemeinsam auf der Weiterfahrt in Richtung Süden nach einem RV-Park Ausschau hielten. Leider hatten wir dabei keinen Erfolg, so dass wir erst nach weiteren 120 Meilen Fahrt auf teilweise schnurgeraden Landstraßen müde und bei völliger Dunkelheit in Page ankamen. Wir parkten vor einem Schnellimbiss und versorgten uns mit italienischer Pizza, bevor wir auf einem RV-Campingplatz übernachteten.
Donnerstag, 02.09.2010 (Page, Besichtigung Antelope Canyon und Baden im Lake Powell – 22 mls)
Bisher hatten wir vom Lake Powell, noch nichts gesehen. Trotzdem entschlossen wir uns, planmäßig nach dem Frühstück zunächst den schönen Upper-Antelope-Canyon zu besichtigen, von dem wir schon so viele schöne Bilder in Reiseführern gesehen hatten. Am 8 km hinter dem östlichen Ortsausgang von Page an der SR 98 Richtung Kayenta fanden wir schnell den Parkplatz für die Canyon-Besucher.
Eine Besichtigung war nur in Begleitung eines Navajo-Indianers im Rahmen einer Jeep-Tour möglich, die – wen wunderts? – natürlich wieder sehr teuer war. Zähneknirschend zahlten wir zunächst 20 Dollar Parkgebühr und dann weitere 85 Dollar für die Tour für uns vier. Nach kurzer Wartezeit auf weitere Touristen, die mit uns auf die Ladefläche des Allrad-Jeeps gepackt wurden, fuhren wir mit rasanter Geschwindigkeit 1-2 Meilen durch ein ausgetrocknetes, staubiges Flussbett bis zum Eingang der Schlucht, die sich im Privatbesitz der Ureinwohner befindet. Von hier ging es durch einen schmalen Felsspalt zu Fuß hinein in den atemberaubend schönen Canyon, der erst vor ca. 80 Jahren von einem Indianermädchen beim Schafe hüten entdeckt wurde. Die vom zeitweise hier durchfließenden Wasser und dem Wind in bizarren Formen glatt geschliffenen gelb-braunen Sandsteinwände sind bei allen Hobbyfotografen ein beliebtes Motiv. Der uns führende Navajo war sehr nett und zeigte uns die besten Stellen für schöne Bilder. An einer Stelle des 400 Meter langen und bis zu 40 Meter tiefen Antelope-Canyons fiel jetzt in der Mittagszeit das Licht fast senkrecht herein, was in Verbindung mit in die Luft geworfenem Sand sehr schön aussah und dementsprechend von einer großen Touristenschar hunderte Male fotografiert wurde. Nach etwa 30 Minuten kehrten wir zum Jeep zurück und rasten zurück zum Parkplatz am Parkeingang. Unser nächstes Ziel war der Wahweap-Campground am Hochufer des Lake Powell. Auf dem Weg dorthin überquerten wir auch die große Staumauer des Colorado-River, den Glen Canyon Dam, wo wir kurz ausstiegen. Zahlreiche Canyons sind dadurch überflutet worden und es entstand ein wunderbares Erholungsgebiet für Wassersportler inmitten der ansonsten staubtrockenen Landschaft. Am RV-Park bekamen wir einen schönen Stellplatz zugewiesen, obligatorisch mit Grill und Feuerstelle. Gegen 14 Uhr gingen wir hinunter an den See und erholten uns den ganzen Nachmittag am und im warmen Wasser des Stausees. Am Abend grillten wir am Wohnmobil und genossen den schönen Sommerabend am Ufer des Lake Powell.
Freitag, 03.09.2010 (Fahrt von Moab zum Grand Canyon - 169 mls, davon 50 mls am GC)
Die Frühaufsteher Michael und Tobias gingen schon um halb 8 Uhr hinunter an den Lake Powell um zu baden. Die Morgenstimmung war sehr schön und in der Wahweap-Marina wurden schon die ersten Boote ins Wasser gelassen. Tobias buddelte noch etwas im Sand, dann gingen wir zurück zum Wohnmobil. Leider konnten wir die Duschen des Campingplatzes nicht benützen, weil diese nur mit Quarters, also 25 Cent Stücken funktionieren und wir das Geld nicht dabei hatten. Sabine hatte bereits wieder das Frühstück vorbereitet, so dass wir bald frühstücken konnten. Wie jeden Tag gab es Toast, Philadelphia-Frischkäse, Wurst, Cornflakes und Marmelade. Bis alles verstaut war und die Abwassertanks entleert waren, dauerte es noch einige Zeit, so dass wir erst am späten Vormittag den CP verließen. In Page fuhren wir zunächst zum Walmart und deckten uns mit neuen Lebensmitteln, v.a. Grillfleisch ein. Zusätzlich nützten wir die Gelegenheit und kauften noch ein paar günstige T-Shirts und Jeans. So war es schon ca. 13 Uhr, als wir unseren ersten Besichtigungspunkt des Tages, den Horseshoe-Bend, eine hufeisenförmige Flussschleife des Colorado-River erreichten. Sabine und Michael gingen in der sengenden Mittagshitze bis zum Aussichtspunkt, während die Kinder diesmal streikten und im RV blieben. Der Blick war aber durchaus die Mühen wert. Wieder hörten wir viele deutsche Stimmen, besonders Württemberger Dialekt.
Mehr als 2 Stunden Fahrt über etwa 140 Meilen lagen nun vor uns. Zunächst ging es Richtung Süden, dann nach Westen bis zum Eingang des Grand Canyon. Am ersten Aussichtspunkt, dem Desert View, war auch gleich ein Campground, der mit 12 $ sehr günstig war, so dass wir uns gleich einen Platz reservierten.
Inzwischen war es schon halb 5 Uhr, also wir uns aufmachten, den South-Rim des Grand Canyon zu erkunden. Wir hielten an mehreren "Viewpoints" und genossen den Ausblick auf diese riesige Schlucht, die in Millionen von Jahren entstanden ist. Am Mather Point parkten wir den RV und fuhren mit dem kostenlosen Shuttlebus weiter zum Visitor Center und der Buslinie am westlichen Ende des Canyon-Randes. Hier warteten bereits etwa 100 andere Touristen auf die "Red Line" zum Aussichtspunkt Hermits Rest, so dass wir uns wegen der fortgeschrittenen Zeit entschlossen, zu Fuß am Canyonrand entlang zu laufen. Julia war schon sehr müde und hungrig. Ein anderes deutsche Paar schloss sich uns an, und so gingen wir zu sechst zu den nächsten 4 Aussichtspunkten, insgesamt etwa 3 km. Der schöne Sonnenuntergang tauchte die Felsen in rot-gelbes Licht, so dass wir natürlich viel fotografierten und filmten. Als die Sonne ganz untergegangen war, wollten natürlich alle Touristen zurück, so dass die Shuttle-Busse völlig überfüllt waren. Schließlich ergatterten wir aber doch noch einen Stehplatz und kehrten bei völliger Dunkelheit zu unserem Wohnmobil zurück. Alle waren schon sehr hungrig. Nun lag aber noch der lästige Rückweg zum Desert View Point vor uns, wo wir den Übernachtungsplatz reserviert hatten. Also fuhren wir 24 Meilen zurück nach Osten und erreichten erst gegen 20.30 Uhr den Platz. Michael entfachte schnell noch einen Haufen Holzkohle, während Sabine das Grillfleisch vorbereitete. Gegessen haben wir dann aber im Wohnmobil. Dazu gabs für die Eltern zwei kühle Dosen Budweiser Bier. Nach dem Abspülen gingen die Kinder in den Schlafsack während wir noch am Lagerfeuer, bestehend aus unserem letzten Holzscheit, eine Flasche Wein aus dem Napa Valley tranken und den wunderbaren Sternenhimmel betrachteten.
Um 23 Uhr gingen dann auch wir ins Bett.
Samstag, 04.09.2010
Michael stand schon früh auf, um den Grand Canyon vom Desert View im Morgenlicht fotografieren zu können. Leise verlies ich den RV und ging mit 2 Kameras bewaffnet durch ein kleines Waldstück zum Rand des Canyons bei einem historischen Beobachtungsturm. Vor mir lag der Grand Canyon, eingetaucht in die ersten Sonnenstrahlen und mit schönen Schatten. Ich ging etwa 45 Minuten am Rand des Canyons entlang. Außer mir waren nur sehr wenige Menschen schon so früh auf den Beinen. Als ich um etwa halb 8 Uhr zurück zum Wohnmobil (RV) kam habe ich den Reisebericht getippt, dann wurde gefrühstückt und ich wiederholte mit Tobias Lateinwörter. Um 9.45 Uhr verließen wir den staatlichen Campingplatz und fuhren die ca. 40 km lange Strecke zum Visitor Center des Nationalparks, wobei wir wieder an einigen Parkplätzen stoppten und den Blick in den Canyon genossen. Um 11 Uhr ereichten wir das Grand Canyon Village, wo wir im großen IMAX-Kino - bewaffnet mit Cola und Popcorn (war inklusive) - einen Film über den Nationalpark und seine Entdeckung durch die ersten Siedler sahen. Da wir immer noch mit dem Gedanken spielten, den Canyon aus der Luft mit dem Helicopter zu sehen, hielten wir am GC Airport und erkundigten uns nach den Preisen für einen Rundflug. Leider war dieser mit etwa 500 Euro für den Hubschrauberflug oder 400 Euro mit dem Kleinflugzeug für unsere Reisekasse zu teuer, so dass wir dieses Erlebnis auf den nächsten USA-Besuch verschoben. Auf der Landstraße fuhren wir weiter Richtung Süden bis Williams, einem kleineren Ort an der Route 66. Unterwegs stoppten wir an einem See (Lake Kabibah), wo es sehr idyllisch und ruhig war. Der Campingplatz war gut besucht und am Ufer standen unter Bäumen die Angler mit ihren Familien. Es sah aus wie in Kanada. Gerne wären wir noch etwas geblieben, aber wir mussten weiter. Auf der großen Interstate 40, einer Autobahn, fuhren wir nun Richtung Westen. Angezeigt waren 456 Meilen bis Los Angeles. So weit fuhren wir natürlich nicht, sondern verließen die Autobahn nach etwa 1 Stunde wieder in Seligman. An hier fuhren wir etwa 80 Meilen auf der historischen Route 66. Schon hier sahen wir ein paar alte Tankstellen, Autos und einige Motorradfahrer mit ihren Harleys. Auf fast gerader Strecke über eine steppenartige Ebene erreichten wir bald den Ort "Grand Canyon Caverns", benannt nach der dort befindlichen Höhle, die wir spontan besichtigten. Mit einem Aufzug ging es in einer kleinen Gruppe hinunter in etwa 70 Meter Tiefe. Vor Millionen von Jahren entstand die Höhle, was Knochenfunde eines etwa 6 Meter großen bärenartigen Tieres belegten, das in ausgestopfter, rekonstruierter Form hier unten zu sehen war. Hier befindet sich auch die einzige Höhlensuite der Welt, in der man für 700 $ übernachten kann. Julia bekam von David, dem Führer der Tour, die Beschreibung in deutscher Sprache und las interessiert mit.
Als wir nach 1 Stunde um 17.30 Uhr wieder ans Tageslicht kamen, nützten Sabine, Tobias und Julia die Gelegenheit zu einem Reitausflug. Ein Cowboy und seine Frau warteten schon auf uns mit den Pferden und nach einer kurzen Einweisung in "Gas, Bremse und Lenkung" des Pferdes ritt meine Familie zwischen den Büschen davon. Julia war begeistert und auch Sabine und Tobias gefiel der 45-minütige Ausflug sehr gut. Ich beschränkte mich aufs Filmen und Fotografieren.
Da bis Kingman, einer großen Stadt südlich von Las Vegas, leider kein Campingplatz mehr zu finden war, fuhren wir bis 20.00 Uhr in der Abendsonne auf der Route 66 nach Westen. Wir parkten nach einigem Herumirren in der Stadt auf einem CP für Wohnmobile. Die Stimmung war schlecht, außerdem gab der Motor komische Geräusche von sich und lief plötzlich "unrund". Werden wir morgen weiterfahren können? Eigentlich wollten wir wegen unseres 17.Hochzeitstages schön essen gehen, aber in der Nähe des Campingplatzes war nur ein Schnellimbiss, so dass wir uns entschlossen, Spaghetti zu kochen.
Der Tag endete bei einer Runde Kniffel - während Tobias schon eingeschlafen war.
Sonntag, 05.09.2010 (in Kingman)
Wegen unseres Motorschadens telefonierte Michael mehrmals mit dem Pannenservice von Cruise America. Wie sich herausstellte, war am Sonntag eine Weiterfahrt nicht möglich, da keine Werkstatt geöffnet war. So blieb uns nichts anderes übrig, als den Tag am Campingplatz Fort Beale RV-Park neben dem Highway 40 zu verbringen. Während Michael deswegen ziemlich sauer war, da nun der detailliert geplante Reiseverlauf durcheinander geriet, fanden es Julia und Tobias ganz angenehm, stundenlang im Pool zu verbringen, der ausschließlich von uns genutzt wurde. Obwohl es ziemlich heiß war, erkundeten Michael und Tobias am Nachmittag zu Fuß die Umgebung und besichtigten das Route-66-Museum im nahe gelegenen Powerhouse (120 West Andy Devine Ave), einem historischen Gebäude direkt an der legendären Fernstraße. Hier waren viele Erinnerungsstücke und Bilder an die Geschichte der Route 66 und ihren Bau durch Arizona ausgestellt. Gegenüber bestaunten wir in einem Park noch eine riesige alte Dampflokomotive, die Nr. 3759 der Santa Fe Railroad, während in der Nähe immer wieder endlos lange Güterzüge laut hupend vorbeifuhren. Tobias zählte bei einem Zug mit 2 Lokomotiven über 130 Wagons! Nachdem wir den Rest des Tages am Pool oder mit dem Schreiben von e-mails verbracht hatten, entschlossen wir uns den gestern ausgefallenen Hochzeits-Restaurantbesuch nachzuholen und gingen zum Steakessen ins nahe gelegene Calico´s in der Beale Street. Das Essen war sehr gut, das Bier auch, und so gingen wir gut gelaunt zurück zum Campingplatz, wo wir bis Mitternacht vor unserem Wohnmobil noch tiefschürfende Gespräche über die Sterne, Mamis und Papis Jugendzeit, die Verwandtschaft und unsere weitere Reiseroute führten.
Montag, 06.09.2010 (Fahrt von Kingman über Barstow zum Sequoia Nationalpark)
Nach einem schnellen Frühstück fuhren wir schon um 8 Uhr zur Great West & Truck Werkstatt am Exit 53 des HW 40, wo wir den Motor unseres Wohnmobils von einem Mechaniker untersuchen lassen mussten. Nach kurzer Wartezeit wurde der Motor unseres Urlaubsdomizils zerlegt und ein neues Teil eingebaut. Wir waren sehr froh, denn wegen des Labour-Day waren heute die meisten Werkstätten geschlossen und wir hatten schon befürchtet, eventuell das Wohnmobil wechseln zu müssen, so wie es uns 2001 schon in Australien passiert war. Bereits gegen 10 Uhr war alles erledigt und wir konnten in Richtung Westen weiterfahren. Durch den verlorenen Reisetag mussten wir heute eine sehr große Etappe zurücklegen, da wir in den letzten 5 Tagen ja auch noch San Francisco sehen wollten. Die Strecke war meist sehr langweilig und größtenteils schnurgerade, aber wir kamen gut voran. Um 13 Uhr passierten wir die Ausfahrt von Barstow, um 14 Uhr legten wir dann bei Tehachapi einen Boxenstop ein: Unser Wohnmobil bekam nach gut 300 gefahrenen Meilen für 80 Dollar Sprit und wir ein paar Hamburger bei MCDonalds. Um 15 Uhr fuhren wir bei dichter werdendem Verkehr weiter in nördlicher Richtung und kamen um 17 Uhr nach Kaweah am Fuße der Sierra Nevada, wo sich der Südeingang zum Sequoia Nationalpark befindet. Wir kauften noch ein paar Getränke und Feuerholz bei einem kleinen Dorfladen an der Landstraße und fuhren zum Visitor-Center des Parks. Wir waren froh, unser Tagesziel erreicht zu haben, doch was wir hier erfuhren, ließ unsere - und besonders Michaels - Stimmung sehr schnell in den Keller sinken: Unser Wohnmobil war für die Durchfahrt des Parks einen halben Meter zu lang ! Die Straße durch den Sequoia-Nationalpark mit zahlreichen Serpentinen wurde gerade saniert, weshalb besonders große Fahrzeuge den Park nicht mehr befahren durften. Gnädigerweise wurde uns gestattet, zumindest noch ein paar Meilen bis zum ersten Campground in den Park zu fahren, um dort zu übernachten.
Wir wurden von der freundlichen Rangerin auf dem Campground eindringlich darauf hingewiesen, dass es verboten sei, Lebensmittel außerhalb des Wohnmobils aufzubewahren, da dies Bären anlocken würde. Wir waren gerade dabei das Lagerfeuer anzuzünden, als wir die Wichtigkeit dieser Warnung bestätigt bekamen: Nur 50 Meter neben dem Wohnmobil tauchte ein Bär auf, der dort im Gebüsch herumstreunte. Mit lautem Geschrei verscheuchte die Rangerin den ungebetenen Besucher allerdings sofort, so dass Tobias ihn nur noch kurz sehen und fotografieren konnte.
Nach diesem Erlebnis grillten wir unsere Steaks und verbrachten einen schönen Abend am Lagerfeuer beim Würfelspielen, beobachteten aber immer die Umgebung, denn hier kamen wohl öfters Bären vorbei. Sabine träumte jedenfalls in dieser Nacht von an der Wohnmobiltür kratzenden, wilden, blutrünstigen Bären, die es auf den Inhalt unseres Kühlschranks abgesehen hatten.
Dienstag, 07.09.2010 (Fahrt vom Sequoia Nationalpark nach San Francisco)
Am Dienstag sind wir vom Sequoia Nationalpark 4 Stunden nach San Francisco gefahren, wo wir am frühen Nachmittag eintrafen, nachdem wir unterwegs in Los Banos im Restaurant Olindas sehr gut gefrühstückt hatten. Zunächst überquerten wir die Golden Gate Bridge um ein Familienfoto zu machen. Leider sah man von der weltberühmten Brücke, die in dichte Wolken gehüllt war, nicht viel. Trotzdem war es schön, 12 Jahre nach unserem letzten Besuch wieder hier zu sein, diesmal mit unseren beiden Kindern. Da es relativ kühl und windig war fuhren wir über die 1,3 Kilometer lange Brücke bald zurück in die Stadt. Natürlich war es nicht so leicht, mit einem so großen Wohnmobil im Bereich der Endstation der Cable Car einen Parkplatz zu finden. Nach einigen Umrundungen der zahlreichen Hotels in diesem Stadtviertel parkten wir unser RV (Kennzeichen übrigens: 6MWC500 - Michael Wurschers Camper?) am Pier 35 und gingen zum Pier 39 - der bekannten Fishermans Warf, wo sich viele Geschäfte und Restaurants befinden. Wir schauten den Seelöwen beim Sonnenbad zu, fotografierten die Gefängnisinsel Alcatraz und kauften uns ein köstliches Sauerteigbrot in einem der Läden am Hafen. Dieses Brot, das während der Goldgräberzeit aus Europa eingeführt wurde - und den Goldgräbern den Spitznamen Sourdough einbrachte - wurde zu einer Spezialität der Stadt. So gestärkt beschlossen wir nun, eine Fahrt mit der berühmten Cable Car durch die Stadt zu machen, wofür wir uns allerdings fast 1 Stunde anstellen mussten. Das allein wäre nicht so schlimm gewesen, wenn nicht permanent ein mittelmäßiger Banjo-Spieler seinen Lebenssinn darin gefunden hätte, die wartenden Touristen mit seiner Verstärker-Musik zu nerven. Die Fahrt über die Hügel der Stadt entschädigte uns aber bald dafür. Es war sehr lustig, da wir beim Hinauf- und Hinunterfahren auf den glatten Sitzbänken vor- und zurückrutschten. Als wir die andere Endhaltestelle an der Kreuzung Powell und Marketstreet erreicht hatten schlenderten wir durch diese Haupteinkaufsstraße, Tobias stöberte im Apple-Store und Julia bekam einen völlig überteuerten Hotdog für 4 Dollar. Der Verkäufer hatte offenbar indianische Verwandte! Durch den Bankendistrikt gingen wir teilweise steil bergauf zurück zur Fishermans-Warf. Unterwegs hielten wir nach einem Restaurant Ausschau, das für unsere strapazierte Reisekasse geeignet und unseren Ansprüchen gerecht war. Offenbar waren diese beiden Voraussetzungen in San Francisco unvereinbar, so dass wir gegen halb 8 Uhr hungrig am Wohnmobil ankamen. Wir verließen nun die Stadt bei Dunkelheit auf dem Highway # 1 in südlicher Richtung, ständig auf der Suche nach einem Campingplatz. Dies stellte sich als schwieriger heraus als gedacht, denn es wurde immer nebliger, so dass wir kaum 10 Meter weit sehen konnten und nur sehr langsam voran kamen. Als wir dann endlich einen RV-Park am Strand fanden, wollten die dort doch tatsächlich 87 Dollar Standgebühr für 1 Nacht! Nicht mit uns! So fuhren wir weiter durch die Nacht. Gegen 21.30 Uhr hatten wir dann die Schnauze voll und hielten an einer kleinen, kaum beleuchteten Tankstelle, um dort zu übernachten. Schwuppdiwupp ging im Haus das Licht an und eine Frau kam heraus, verlangte 20 Dollar Parkgebühr und verschwand wieder. Na ja, dachte ich, 20 Dollar sind besser als 87! So konnten wir wenigstens guten Gewissens stehen bleiben - auch wenn wir nicht genau wussten, wo wir überhaupt sind. Die Kinder waren schon während der Fahrt eingeschlafen; so knabberten Sabine und ich noch an einem Stück Käse herum und tranken ein letztes Budweiser Bier, dann krochen wir bald in den Schlafsack. Es war ein anstrengender Tag gewesen.
Mittwoch, 08.09.2010 (südlich von San Francisco bis San Luis Obispo, 231 mls)
Nach der Nacht auf dem Parkplatz der Tankstelle und einem kurzen Frühstück fuhren wir am Mittwoch weiter in Richtung Süden auf dem Highway # 1. Teils war es etwas dunstig, so dass die Sicht auf die berühmte Küstenstraße nicht immer optimal war.
Zunächst erreichten wir gegen Mittag den bekannten Ort Monterey, wo wir an der Cannery Row die Aussicht aufs Meer genossen. Da wir das sehenswerte Aquarium schon bei einer unserer letzten USA-Reisen besucht hatten, fuhren wir über den Lighthouse Drive gleich weiter zum berühmten 17-Miles-Drive an der Küste von Carmel by the Sea. Langsam fuhren wir durch den Golfplatz und vorbei an schönes Sommervillen an der Küste entlang. Unterwegs hielten wir an verschiedenen Aussichtspunkten und beobachteten die Seelöwen, die hier auf den Felsen am Strand lagen. Schließlich erreichten wir eines der bekanntesten Fotomotive der Westküste, die Lone Pine, einen einsamen Baum auf den Felsen. Leider war es hier etwas neblig, so dass wir bald in Richtung Süden weiterfuhren. Über den Big Sur State Park, wo der HW 1 (Cabrillo Highway) etwa 3 km im Hinterland verläuft, erreichten wir am Abend Morro Bay und San Luis Obispo.
Nach einiger Suche nach einem geeigneten Campingplatz verbrachten wir die Nacht schließlich in Pismo Beach auf dem RV-Campingplatz Holiday (100 SouthDolliver Street, Pismo Beach, California 93449, www.holidayrvpark.org). Am Abend wollten wir irgendwo zum Essen gehen, fanden aber in dieser trostlosen Umgebung kein Restaurant, das uns gefiel. Wir entschlossen uns nach diesem erfolglosen nächtlichen Spaziergang im Wohnmobil Spaghetti zu kochen.
Donnerstag, 09.09.2010 (von Pismo Beach bis zum Refugio State Beach bei Goleta / Santa Barbara, 73 mls)
In der Früh ließen wir uns zunächst Zeit. Während Michael und Sabine zum Duschen gingen, nützte Tobias die Gelegenheit und badete ausgiebig im Pool und Spa. Michael schrieb noch bis gegen 11 Uhr seinen Reisebericht und bezahlte den Campingplatz, dann starteten wir auf dem HW 1 in Richtung Süden. Wir fuhren durch die hügelige Landschaft, vorbei an Blumenfeldern und Weinreben bis zum Meer, dann weiter am Meer entlang. Die Straße war sehr schön, der Himmel blau und wir genossen die Fahrt. Nach gut 70 Meilen kamen wir am Refugio State Beach, nördlich von Santa Barbara vorbei und entschlossen uns spontan zu einem Stopp am Strand. Eine freundliche Rangerin, die an der Zufahrtsschranke saß, überredete uns, hier die Nacht zu verbringen und nicht nach L.A. weiter zu fahren. Nach kurzer Beratung mit den Kindern blieben wir hier - der Strand war auch wirklich sehr schön. Wir bezahlten 35 $ Gebühr für 1 Nacht und parkten den RV, eingewiesen von Rangerin Rheta mit dem Elektromobil, die uns auch noch Feuerholz brachte. Dann gingen wir zum Strand und legten uns in die Sonne. Tobias und Julia buddelten gleich im Sand, kritisch beäugt von einer Kolonie Möwen, die am Strand saßen. Es war sehr schön, die Bucht war mit vielen Palmen bewachsen und der Sand sauber und fein. Es war etwa 14 Uhr, als Tobias und Michael sich entschlossen, wenigstens einmal in diesem Urlaub im Pazifik zu baden. Es war sehr kalt - aber wir haben es geschafft! Den Rest des Nachmittags verbrachten wir am Strand, beobachteten die Möwen und eine Robbe, die auf und ab schwamm - wohl auf der Suche nach Beute.
Gegen 17 Uhr gingen wir zurück zum RV, denn es wurde doch etwas kühl. Wir aßen Hot Dogs vor dem Wohnmobil und machten ein schönes Lagerfeuer. Tobias und Julia sammelten noch zusätzliches Brennmaterial im nahen Gebüsch. Auch die anderen Camper hatten ihre Feuer angezündet und grillten. Hoch über der Bucht brausten auf dem Highway die Trucks vorbei, außerdem immer wieder eine Zug von Amtrack. Um 20 Uhr zogen wir uns ins RV zurück, es war inzwischen dunkel und kühl geworden. Alle waren müde, so gingen wir bald schlafen. Morgen sollte es nicht zu spät nach L.A. gehen, wir wollten schließlich noch einkaufen...
Freitag, 10.09.2010 (von Santa Barbara nach Los Angeles, 145 mls oder 233 km)
Heute stand die letzte Etappe unserer dreiwöchigen Rundreise auf dem Plan. Zum letzten Mal frühstückten wir vor dem Wohnmobil, da ging es wieder auf den HW 1 in Richtung Süden. Nachdem wir bei Santa Barbara ein weiteres Outlet-Center besucht hatten erreichten wir auf dem Venture Freeway 101 den Großraum von Los Angeles, was auch bald durch dichten Verkehr und Staus deutlich wurde. Auf der Interstate 405 fuhren wir am Nachmittag zunächst noch zu unserer Vermietstation und erkundigten uns nach dem nächstgelegenen Campingplatz. In nur 15 Minuten erreichten wir den Golden-Shore-RV-Park in Long-Beach, einen größeren Parkplatz in Meernähe an den Hafenanlagen. Während Sabine nun begann, die Koffer zu packen, genossen die Kinder noch ein Bad im Pool. Michael schrieb ein paar Emails nach Hause und vervollständigte diesen Reisebericht. Am Abend fuhren wir mit dem öffentlichen Bus in die Downtown von Long Beach, wo wir einen gemütlichen Abend in der Rock Bottom Brewery, einer Sports-Bar, bei Nachos und Salsa verbrachten. Sabine und Michael tranken einen Pitcher gutes Light Beer, danach noch ein Glas Dark Beer. Julia und Tobias genossen ein paar alkoholfreie Longdrinks. Nebenbei konnten wir auf den zahlreichen Flachbildschirmen ein Footballspiel verfolgen. Es war ein schöner Abschluss des Tages, auch wenn wegen des morgen bevorstehenden Heimfluges schon etwas sentimentale Stimmung aufkam. Gerne würden wir die Reise nochmal von vorne beginnen! Mit dem Taxi erreichten wir gegen Mitternacht wieder unser Wohnmobil, wo schon die gepackten Koffer bereitstanden.
Samstag, 11.09.2010
Nachdem wir um 8 Uhr aufgestanden waren, packte Sabine die letzten Sachen zusammen. Michael duschte und erledigte die Formalitäten im Büro und schrieb noch ein Email nach Deutschland. Dann wurden die beiden Abwassertanks gründlich entleert und gereinigt. Von Long Beach fuhren wir 5 Meilen zurück zur Vermietstation, wo wir unseren RV problemlos abgaben. Für die eineinhalb Tage Nutzungsausfall wegen des Motorschadens in Kingman bekamen wir eine Gutschrift von 165 Dollar, die gleich mit den mehr gefahrenen Meilen verrechnet wurde. Insgesamt waren wir in den letzten 19 Tagen fast 3.300 Meilen durch den Südwesten der USA gefahren. Unseren Toaster verschenkten wir an ein Paar, dass gerade ihr Wohnmobil abholte. Den Annual-Pass für die Nationalparks verkauften wir für 30 Euro an ein Ehepaar, die auch gerade losfuhren. Pünktlich um 12 Uhr kam unser Airport-Shuttle - ein großer weißer Lincoln - angefahren und die Koffer wurden verstaut. Allerdings bat der Fahrer, zunächst noch etwas erledigen zu dürfen. So standen wir 10 Minuten später vor dem nächstgelegenen Pizza-Hut und holten das Mittagessen für die Cruise America-Mitarbeiter ab. Michael saß kurz darauf mit 2 großen Pizzakartons auf dem Beifahrersitz auf der Fahrt zur Vermietstation. Gegen 13 Uhr erreichten wir den Flughafen von Los Angeles, bezahlten dem Fahrer 50 Dollar für die Fahrt und gaben unser Gepäck auf. Eingecheckt hatten wir schon am Abend davor über Internet. Dann "frühstückten" wir noch bei McDonalds, bevor wir die Sicherheitschecks passierten und am Gate 121 auf unseren Abflug warteten. Pünktlich um 16 Uhr hob unser Jumbo, Flug BA 278, in Richtung London ab.
Um 9.30 Uhr landeten wir in London Heathrow. Nun hatten wir etwa 4 Stunden Aufenthalt bis zum Weiterflug nach München. Wir frühstückten zunächst Hamburger und Rührei, dann schauten wir den Flugzeugen auf dem Rollfeld zu. Wehmütig sahen wir auf den Monitoren in der Wartehalle, dass einige auch in Richtung USA starteten.
Wir waren zwar schon in Europa, aber unser Herz war noch in Amerika…